Slatouster Gravuren oder die Kunst des Verschönerns Kunsthandwerk

2006 besuchten wir eine Ausstellung von Kunstgravuren in der Firma «LIK» in der Stadt Slatoust, deren Mitbegründerin Nina Lochtatschowa uns die Exponate erläuterte. Sie sprach zunächst von ihren 150 Mitarbeitern, darunter Graveure, Steinmetze, Designer, Goldschmiede, Weber u.a., die alle ihren Beitrag zur Entstehung gelungener Kunstwerke leisten. Eines davon fiel sofort auf: das der Jesus-Erlöser-Kathedrale in Moskau geschenkte Tabernakel. Dieses große Kunstwerk wäre unvorstellbar ohne den Beitrag Wladimir Blinows, dessen Leben, Wesen und Karriere uns besonders beeindruckten, weil er sich unter schwierigsten Umständen aus eigener Kraft zu einem der bekanntesten Juweliere unseres Landes emporgearbeitet hat. Nina Lochtatschowa stellte uns ihren Mitarbeiter als Vorbild vor und meinte, es sei das Wichtigste im Leben, ein Ziel zu haben und diesem konsequent zuzustreben. Wir erfuhren Einiges aus der Geschichte der Firma, die 1990 auf Initiative von Alexander und Nina Lochtatschow und Grigorij Manusch gegründet wurde.

Ein Höhepunkt in der Geschichte dieser Firma war die Herstellung reich geschmückter Blankwaffen für die Vertreter der Antihitlerkoalition zum 50. Jahrestag des Sieges über den Faschismus. Ein Schwert als Meisterwerk der russischen Gravurkunst wurde den Präsidenten Clinton und Mitterand und dem Premierminister Meydsher überreicht und ein dazu passendes Schild ist heute im Moskauer Historischen Museum auf dem Poklonnaja-Berg zu bewundern. So konnte die Firma «LIK» (www.lik.ru) mithelfen, ein Jubiläum von welthistorischer Bedeutung feierlich zu begehen.

Nina Wladimirowna zeigte ihren Gästen die wertvollsten Gravurarbeiten, die schon früher bei gesamtrussischen und internationalen Ausstellungen zu sehen waren. Die Teilnahme an solchen Ausstellungen hilft den Firmenmitarbeitern sich selbst im Vergleich zu Konkurrenten richtig einzuschätzen. Besonders hohe Wertschätzung erfährt die Firma bei vielen Ausstellungen im Kreml, in russischen Museen und im Ausland. Dabei sind auch neueste Trends der Gravurkunst zu erkennen. Die Meister der Firma wenden sich mit großer Kompetenz und uneingeschränktem Interesse diesen neuen Stilrichtungen zu.

?Habt ihr einmal darüber nachgedacht, welche Bedeutung der geographische Ort, an dem wir leben, für unser Schaffen hat?? fragte uns Nina Wladimirowna. ?Wir leben an der Grenze Europas zu Asien und wollen nicht vergessen, dass nicht nur unsere Berge, sondern auch unsere Kunst eine Brücke zwischen diesen Kontinenten schlagen.? Vor unseren Augen erscheint eine Galerie eigenartiger, in ihrer Gestaltung und Schönheit formvollendeter Dolche, z.B. Dshambijas als Symbole des Reichtums in orientalischen Ländern. ?Trotz der grandiosen Möglichkeiten moderner Technik werden doch die unvergänglichen Meisterwerke auch heute noch mit der Hand geschaffen. Man kann mit dem Computer vieles machen, z.B. Ornamente, doch besteht die Gefahr, an die Stelle des manuellen Kunsthandwerks technisches Know-how zu setzen. Selbst in Japan, dem Land der technischen Perfektion, werden von Hand gestaltete Kunstwerke mehr geschätzt. So hat auch unsere Kunst eine sichere Zukunft. Auch die berühmten europäischen Manufakturen weisen auf Erzeugnisse hin, die manuell hergestellt werden?, führt die Künstlerin aus.

Einige Gebrauchsartikel der Firma, wie Teller, Becher, Pokale, Besteck, sind von solcher Qualität, wie sie in Höfen von Zaren und Königen üblich war. Wir haben bei unserem Besuch auch jenes Service gesehen, das die Firma zum 300-jährigen Jubiläum Petersburgs angefertigt und dort ausgestellt hat. Nicht weniger Vergnügen bereitete uns der Anblick vom schön gestalteten Kirchengerät, dem Eucharistie-Service, mit echten Diamanten verziertem Schreibgerät, einer Spendenschale, einer Schatulle mit Geheimfach, einer Schale aus Bergkristall, einem Teller mit einem Madonnenbild? – man kann gar nicht alles aufzählen, was uns veranlasst hat, diese Gravurkunst mit anderen Augen zu betrachten?

Immer mehr wird anstatt der traditionellen Messing-und Goldgravur Silber verwendet, obwohl es schwieriger ist, dieses Material zu bearbeiten. Auf jeden Fall wird echtes Silber einem vergoldeten Metall vorgezogen. Wichtiger als der Glanz des Goldes sind die Echtheit und der innere Wert dieser Kunstwerke. Nina Wladimirowna nannte uns die Namen der Meister, die ihrer Firma zu immer größerem Prestige verhelfen. In erster Linie würdigte sie die großen Verdienste ihres Ehemanns, der diese Firma gegründet hat und sie heute mit großer Kompetenz leitet. ?Dieser außergewöhnliche Mensch ist mein bester Kritiker. Seine konstruktive Kritik hilft mir meine Ideen besser zu realisieren?, sagt Nina Lochtatschowa. In denen verschmelzen zwei Traditionen: die Stahlgravur ihrer deutschen Vorfahren und die Schaffenskraft unserer russischen Gravurmeister.

Im Jahre 1990 erschien es manchen als ein abenteuerlicher Gedanke, doch inzwischen konnten die Gründer der Firma ökonomische Stabilität und allgemeine Anerkennung erkämpfen. Nina Wladimirowna scherzt: ?Am Anfang unserer Tätigkeit haben wir nach Messingschüsseln für Konfitüre gesucht, die man in den Müll geworfen hat. Wer wusste damals, dass einmal solch ein einfacher Gebrauchsgegenstand durch Formgebung und Verzierung hoch geschätzt wird, aus dem ein kleines Kunstwerk entsteht. Vielleicht ist es eine Aufgabe der Kunst, Gewöhnlichkeit durch Schönheit zu ersetzen.?

Von diesen ersten Erfolgen bis zur späteren Teilnahme an der EXPO-93 in Australien war es ein riesiger Schritt. 2003 wurde die Firma mit dem Nationalpreis ?Olymp? ausgezeichnet und unter den besten im Rang ?kleine und mittelgroße Unternehmen in Russland? genannt. Mit ebenso großer Freude und Genugtuung spricht Nina Wladimirowna von ihrer Familie, für die sie eine gleich große Verantwortung empfindet wie für ihre Arbeit. Viele Familienmitglieder erfüllen auch im Betrieb bestimmte Funktionen, und der Erfolg eines jeden ist der Erfolg aller. ?Einer für alle und alle für einen?, lautet die Parole in ihrer Familie und in der Firma LIK.

Die Künstlerin erinnert sich an ihre ersten Arbeitsschritte im Dorf Trawniki, wo sie als Zeichenlehrerin in der Schule gearbeitet hat. ?Ich erzählte den Schülern über Künstler, las ihnen Märchen vor und wollte damit ihre Phantasie anregen. Wir malten oft im Freien, beobachteten die Natur in ihrer Schönheit zu verschiedenen Jahreszeiten und dann entstanden unwiederholbare Kinderzeichnungen, die ich nur bewundern konnte. Die Schüler mochten solchen Unterricht. Und wenn ich heute meine ehemaligen Zöglinge treffe, höre ich noch viele.? Heute setzt Nina Wladimirowna ihre pädagogische Tätigkeit fort, sie unterrichtet Gravurkunst, und es ist auch ihr Verdienst, dass in der Stadt Slatoust (http://de.wikipedia.org/wiki/Slatoust) viele junge Gravurmeister schon eigene kleine und mittelgroße Manufakturen gegründet haben.

Von Anna Hashipowa,

Ksenia Belkina, Galina Ponomarjowa

(Absolventinnen der Schule Nr. 10 in Slatoust)

 

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